Tempeltänzer


Komm zu mir,
Lass die schweren Sachen draußen –
Sie werden dir beim Tanze im Wege stehen.
 
Komm barfuß,
So wirst du die Erde atmen hören
Der Rhythmus - deine Haut ergreift.
 
Komm bald,
Und vergiss den Morgen
Denn die Zeit herrscht hier nicht mehr.
 
Komm zu mir, trete ein in meiner Welt
Doch greife nicht nach meiner Hand,
Versuche nicht meine Augen zu erschauen,
meinen Fersen nachzugehen.
 
Denn dies ist der Tempel meiner Gedanken
Mit Mauern aus rieselndem Sand,
Mit einer Kuppel aus goldenem Honig
Und Musik, die dir den Weg weisen wird.
 
Svetlana Scholtz
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Samai Farida

eine Hommage an Farida Fahmy, zur Nostalgia Night

Farida Fahmy war seit den 60er Jahren Mitbegründerin und Solotänzerin der Reda-Troup in Ägypten. Ihr Tanz – geprägt von folkloristischen Elementen, historischen Tänzen und dem Ballett – zeichnete sich aus durch eine hohe Ästhetik und brillierender Anmut. Die Shows der Reda-Troup sind wegweisend für die Entwicklung des orientalischen Tanzes als Bühnenform. Die Auseinandersetzung mit dem spezifischen Tanzvokabular Farida Fahmys hat mich beflügelt. Ich habe es sehr genossen diese Choreographie von Mohamed Kazafy, im Rahmen von “Nostalgia Night” 2019 / “360 Grad Orient” – Festival von Delanna, in der Begleitung von “Mazzikatea Europe” zu präsentieren.

Real Music Academy – The Final Show

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Der orientalische Tanz entspringt, um es in Anlehnung an Friedrich Nietzsches ästhetischen Betrachtungen zu sagen – „aus dem Geiste der Musik“. Daher kann er gerade im Zusammenspiel mit Livemusik in seinem ganzen Facettenreichtum erscheinen. Durch das Wechselspiel der Instrumente, ihre Variationen in Rhythmus, Lautstärke und Dynamik ruft Livemusik feinste Nuancen hervor, provoziert Stimmungen und Emotionen und bringt die Kompositionen auf immer wieder einzigartiger Weise neu hervor. Es ist ein besonderer Reiz für jede Tänzerin, jeden Tänzer, solche Reichhaltigkeit aufzugreifen und in individueller Performance wiederzugeben. Mehr noch, die Tänzer treten in einen Dialog mit den Musikern und haben die Chance, die Musik selbst zu beeinflussen und mitzukreieren.

Diese enge Liaison zwischen Instrument und Tänzerin zu erahnen, zu erspüren, zu erfahren ist das Hauptanliegen der von Guy Schalom ins Leben gerufenen „Real Music Academy“ zu deren Jahrgangsfinale diese Show präsentiert wird. Kommt zum Schauen, Hören, Staunen, Fühlen und Mittanzen.

„Die Tanzenden wurden für verrückt gehalten von denjenigen, die die Musik nicht hören konnten.„ Friedrich Nietzsche

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Die Schritte



Die Auseinandersetzung mit orientalischem Tanz bedeutet für mich neben der kulturhistorischen und musiktheoretischen Erforschung des Tanzes auch die Tänzerin in mir zu entdecken, zu fördern, zum Erblühen zu bringen. Durch unendlich viele Schritte – mal vorwärts, mal rückwärts – wird der (eigene) tänzerische Weg ergründet und in stilistische Bahnen gelenkt. Dazu gehört es auch, hin und wieder, Stationen meiner Reise, mit einem Publikum zu teilen, wie hier, mit diesem Video – eine Improvisation zu „Tamra Henna“.

Der orientalische Klassiker der Hennablume begleitet mich seit den Anfängen meiner tänzerischen Vita. In den vielen Variationen, die es bereits gibt, verlockt er unwiderstehlich mit seiner Leichtigkeit, Verspieltheit und Sinnlichkeit.

Amber tanzt – Tamra Henna
Musical Accompaniment: The Layali El Sharq Ensamble
Curiosity: iAntonio PHOTOGRAPHY




 

Die Haut

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Tanz geht vom Körper aus und wird an seiner Oberfläche verwandelt. Hier verweben sich Linien und Rhythmen zu Mustern, die in ihrer Wirkung das Gesamtbild vom jeweiligen Tanzstil und zugleich die persönliche Interpretation des Tanzenden entwerfen. Der orientalische Tanz verfügt über ein breitgefächertes Bewegungsvokabular. Ruckartige, bis hin zu vibrierende Bewegungen, ausladende Schwünge und weite Kreise, endlos scheinende Spiralen sowie sanft fließende, sich schlängelnde und wiegende Bewegungen wechseln sich ab und werden zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt. Dissoziierte Bewegungsmuster variieren mit der Kompaktheit und Stabilität, die durch die Konzentration auf die Körpermitte zustande kommt.

Doch die Oberfläche des Tanzes ist nicht gefangen durch die Konturen des Körpers. Kostüme im orientalischen Tanz zollen seinen erforderlichen Bewegungsqualitäten Tribut. Herunterbaumelnde Fransen, Perlen, Schnüre usw. untermalen die rhythmisch oszillierenden Bewegungen, während hauchzarte, nachgiebige und wallende Stoffe, Voiles, Schleier die geschmeidigen sowie die raumgreifenden Bewegungen auffächern und aus- oder teils sogar übermalen. Die arttypische Zweiteilung des Kostüms bringt die isolierten Bewegungsabläufe – die Trennung von Brustkorb und Becken, sowie die vielfältigen Bewegungsspektren des Bauches zum Vorschein.

Die Dynamik des Tanzenden dringt von innen nach außen und überträgt sich auf die getanzte Materie. Die Hülle – „die Verkleidung“ – wird zur Haut des Tanzes. Sie lässt die Bewegung in den Raum übergehen, umspielt und materialisiert sie.

Rainer Maria Rilke

Shawl

O Flucht aus uns und Zu-Flucht in den Shawl,
und, um die stille Mitte, das Begehren,
es möchte noch einmal und noch einmal
die unerhörte Blume wiederkehren
die sich vollzieht im schwingenden Geweb

Aus: Die Gedichte 1922-1926 (Bern, Oktober 1923)

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Nostalgia Night-2018

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Zum zweiten Mal inzwischen eröffnet Nostalgia Night, am 15. Juni 2018, das Festival 360° Orient by Delanna, in Osnabrück. Nostalgia Night ist mehr als eine Show. Sie ist eine Widmung an die mehr oder weniger berühmten orientalischen Tänzerinnen früherer Zeiten, die unsere Wegbereiterinnen sind & uns bis heute prägen, inspirieren, berühren & herausfordern… Musikalisch begleitet von Mazzikatea Europe lässt die Show den Spirit des orientalischen Tanzes der letzten 7 Dekaden aufleben. >>event gallery

Der Raum

Mein Fokus gilt dem Raum, der die Bewegung entstehen lässt, dem Zusammenspiel ihrer vielen Elemente, das den spezifischen Charakter des orientalischen Tanzes evoziert.

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Jedes einzelne Aufbäumen und Niedersinken der Längsachse der Tänzerin erschließt den Raum zwischen der Körpermitte und dem äußersten Punkt, den sie erreichen kann. Alles schwingt von innen nach außen. Es wird ein ständiger Dialog zwischen dem Innen und dem Außen geführt. Der äußerste erreichbare Punkt markiert das Andere, das Gegenüber, die Welt. Er ist nur über innere Stabilität und vollkommene Ausgeglichenheit zu erreichen. Das Sich-hinaus-wagen alterniert immer wieder mit einer Rückkehr zu sich selbst – ein Vorgang des Öffnens und Schließens, des Fragen und Antwortens…

Der Zustand der Isolation, der Zerlegung von Bewegungsfaktoren, strebt das Zusammenfinden seiner Fragmente im Fluss der Bewegung an. Dieser Tanz ist so fähig, Gegensätze darzustellen, indem er sie über Orchestrierung vereint und somit auflöst. Schwere und Leichtigkeit. Undurchsichtigkeit und Transparenz.

Der Bauch nimmt im Rahmen dieses Koordinatensystems eine zentrale Position ein; an ihm treffen sich die Bewegungen des Brustkorbs und der Hüften und werden zu einer gemeinsamen Schwingung übergeleitet. Ähnlich der Küstenzone, an der die Wellen den Sand berühren und immer wieder neu formen, zeichnet der sensible Bereich des Bauches die Übergänge nach von festen zu fließenden, von langsamen zu schnellen, von ruckartigen zu vibrierenden Bewegungen und somit der Transformation von Energie auf der Zeitachse der Musik.

Der Platz, den der Tanz dabei beansprucht, ist unwesentlich, denn der Raum, in dem er sich manifestiert, ist der Körper selbst.